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Ein Zitat des Philosophen Paul Boghossian gegen Relativismus und Konstruktivismus

1. Januar 2017

Der Philosophie-Professor Paul Boghossian, welcher seit 1991 an der New York University schwerpunktmäßig Erkenntnistheorie, Wissenschaftstheorie und Sprachphilosophie lehrt, diskutiert verschiedene Formen von erkenntnistheoretischen Relativismus und Konstruktivismus in einem seiner neueren Bücher. Ich möchte gerne einen Abschnitt aus dem Epilog zitieren. Der dritte Absatz des folgenden Zitats ist besonders zu beachten, weil dieser den engen Zirkelschluss dieses Denkens offenbart, der häufig in Diskussionen als vermeindliches „Totschlag“-Argument angewendet wird. Boghossian schreibt:

„Die konstruktivistische Kernthese, die uns in diesem Buch beschäftigt hat, besagt, dass Wissen von Gesellschaften in einer Weise konstruiert wird, die ihre kontingenten Bedürfnisse und Interessen wiederspiegelt. …

In seinen besten Momenten … enthüllt sozialkonstruktivistisches Denken die Kontingenz jener sozialen Praktiken, die wir fälschlicherweise als naturgegeben betrachtet hatten. Diese Leistung vollbringt es, indem es sich auf die kanonisierten wissenschaftlichen Begründungsweisen verlässt; es gerät auf Abwege, wenn es versucht, zu einer allgemeinen Theorie der Wahrheit oder der Erkenntnis zu werden. Die Schwierigkeit liegt darin, zu verstehen, warum diese Verallgemeinerungen sozialer Konstruktion so verlockend sind.

Eine Quelle ihrer Anziehungskraft ist offenkundig: Sie geben uns die Macht, jeden Erkenntnisanspruch einfach zurückzuweisen, wenn wir die Werte, auf denen er beruht, nicht zufällig teilen, da wir von vornherein wissen, dass jeder Erkenntnisgegenstand seinen Status nur unserem kontingenten sozialen Wissen verdankt.

Aber damit wird die wirkliche Frage nur vertagt. Warum diese Angst vor der Wahrheit? Woher kommt dieses starke Bedürfnis, sich gegen ihre segensreiche Wirkungen schützen zu wollen? …

Der intuitiv einleuchtenden Auffassung zufolge existieren die Dinge unabhängig von menschlichen Ansichten, und wir können über sie zu Meinungen gelangen, die objektiv vernünftig und ohne Rücksicht auf soziale und kulturelle Perspektiven für jeden verbindlich sind, der verstehen kann, welche Belege für sie sprechen. Auch wenn diese Vorstellung schwer zu begriefen sein mögen, so ist es doch ein Fehler, zu denken, die jüngere Philosophie hätte starke Gründe dafür entdeckt, sie zurückzuweisen.“

Zitiert aus: Paul Boghossian, Angst vor der Wahrheit: ein Plädogyer gegen Relativismus und Konstruktivismus (Berlin: Suhrkamp, 2013) 133-134.

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