Zum Inhalt springen

C.H. Spurgeon und Emotionen in der Predigt

24. April 2014

Spurgeon schreibt:

„… Um eine Seele zu gewinnen ist es notwendig, den Zuhörer nicht nur zu lehren und ihn dazu bringen, die Wahrheit zu kennen, sondern es ihm auch so einzuprägen, so dass er sie fühlen kann. Ein rein didaktischer Lehrdienst, der immer nur an das Verständnis appellieren würde und die Gefühle unberührt liesse, wäre sicherlich ein hinkender Dienst. “Die Beine des Lahmen sind ungleich”, sagt Salomo ; und die ungleichen Beine mancher Dienste legen sie lahm. Wir haben schon Leute so herumhinken gesehen, mit einem langen Bein der Doktrin, aber einem sehr kurzen des Gefühls. Es ist fürchterlich für einen Menschen so doktrin-betont zu sein, dass er kühl von der Verdammnis der Gottlosen sprechen kann; dass, wenn er Gott nicht sogar tatsächlich dafür preist, es ihm kein Herzensleid verursacht, an das Verderben Millionen unseres Geschlechts zu denken. Das ist entsetzlich!

Ich hasse es, die Schrecken des Herrn verkündet zu sehen von Menschen, deren harte Gesichter, harsche Töne und herzloser Geist eine Art doktrinäres Ausgetrocknetseins verrät: alle Milch menschlicher Freundlichkeit in ihnen ist versiegt und vertrocknet. Gefühlslos wie er ist, erzeugt so ein Prediger selbst keine Gefühle, und die Leute sitzen und hören während er bei trockenen, leblosen Aussagen bleibt, bis sie ihn als “solide” zu schätzen kommen und sie selbst auch solide werden: und ich muss nicht anfügen, auch solide eingeschlafen, oder das wenige an Leben, das sie haben, wird darin verbraucht, Irrlehre auszuschnüffeln und ehrliche Menschen wegen eines Wortes zu Übeltätern zu machen. Mögen wir ja nie in diesen Geist getauft werden!

Was auch immer ich glaube oder nicht glaube, der Befehl meinen Nächsten zu lieben wie mich selbst, behält seinen Anspruch auf mich, und Gott bewahre dass irgendwelche Ansichten oder Meinungen meine Seele so zusammenziehen und mein Herz so verhärten sollten, dass ich dieses Gesetz der Liebe vergässe! Die Liebe zu Gott kommt zuerst, aber das mindert in keiner Weise die Verpflichtung der Liebe zu Menschen; tatsächlich beinhaltet der erste Befehl diesen zweiten.

Wir sollten die Bekehrung unseres Nächsten suchen weil wir ihn lieben, und wir sollen mit ihm in liebenden Worten von Gottes liebender Heilsbotschaft sprechen, weil unser Herz sein ewiges Glück begehrt.

Ein Sünder hat sowohl einen Kopf als auch ein Herz; ein Sünder hat sowohl Gedanken als auch Gefühle; und wir müssen beide ansprechen. Ein Sünder wird nie bekehrt werden solange seine Gefühle nicht aufgerührt werden. Solange er nicht Trauer über seine Sünde fühlt, und solange er nicht ein Mass an Freude im Erhalten des Wortes findet, kann man nicht viel Hoffnung für ihn haben. Die Wahrheit muss in die Seele eindringen, und sie in ihrer eigenen Farbe färben. Das Wort muss wie ein starker Wind sein, der durch das ganze Herz fegt und den ganzen Menschen schaukelt wie ein Feld reifenden Maises in der Sommerbrise. Religion ohne Emotion ist Religion ohne Leben.“1

1 Im englischen Original:

‚… [T]o win a soul, it is necessary, not only to instruct our hearer, and make him know the truth, but to impress him so that he may feel it. A purely didactic ministry, which should always appeal to the understanding, and should leave the emotions untouched, would certainly be a limping ministry. “The legs of the lame are not equal,” says Solomon; and the unequal legs of some ministries cripple them. We have seen such an one limping about with a long doctrinal leg, but a very short emotional leg. It is a horrible thing for a man to be so doctrinal that he can speak coolly of the doom of the wicked, so that, if he does not actually praise God for it, it costs him no anguish of heart to think of the ruin of millions of our race. This is horrible!

I hate to hear the terrors of the Lord proclaimed by men whose hard visages, harsh tones, and unfeeling spirit betray a sort of doctrinal desiccation: all the milk of human kindness is dried out of them. Having no feeling himself, such a preacher creates none, and the people sit and listen while he keeps to dry, lifeless statements, until they come to value him for being “sound”, and they themselves come to be sound, too; and I need not add, sound asleep also, or what life they have is spent in sniffing out heresy, and making earnest men offenders for a word. Into this spirit may we never be baptized!

Whatever I believe, or do not believe, the command to love my neighbour as myself still retains its claim upon me, and God forbid that any views or opinions should so contract my soul, and harden my heart as to make me forget this law of love! The love of God is first, but this by no means lessens the obligation of love to man; in fact, the first command includes the second.

We are to seek our neighbour’s conversion because we love him, and we are to speak to him in loving terms God’s loving gospel, because our heart desires his eternal good.

A sinner has a heart as well as a head; a sinner has emotions as well as thoughts; and we must appeal to both. A sinner will never be converted until his emotions are stirred. Unless he feels sorrow for sin, and unless he has some measure of joy in the reception of the Word, you cannot have much hope of him. The Truth must soak into the soul, and dye it with its own colour. The Word must be like a strong wind sweeping through the whole heart, and swaying the whole man, even as a field of ripening corn waves in the summer breeze. Religion without emotion is religion without life.

‚(C.H. Spurgeon, The Soul Winner.)

PS: Mehr zu Spurgeons Predigtverständnis ist in folgendem Buch zu erfahren, welches auf den Untersuchungen einer Doktorarbeit basiert: Zack Eswine, Kindled Fire: How the Methods of C. H. Spurgeon can help your Preaching (Ross-shire: Mentor, 2006)

One Comment

Trackbacks & Pingbacks

  1. Religion ohne Emotion? | Jesus24

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: