Skip to content

kein passiver Rationalismus, sondern ein Bekenntnis zur Wichtigkeit des Gebets (# 4)

2. November 2012

Christen sehen Gott ja als mächtig und sogar als souverän an. Ist besonders ‚Gebet‘ somit hinfällig? Liegt nicht alles bei Gott? D.A. Carson gibt darauf eine äusserst treffende Antwort und stellt eine Herausforderung:

Das einzige sinnvolle Gebet,
meinen wir vielleicht, lautet: „Nicht mein, sondern dein Wille gesch-
ehe.“ Wenn dieses Gebet erhört ist, dann sind wir besser in Einklang
mit Gottes Willen und seinem Ratschluss, und das ist eine gute Sache.

Doch  obwohl  das  Gebet  darum,  dass  Gottes  Wille  geschehe,  so
wichtig ist, ist es sicher nicht das einzige Gebet in der Bibel. In der
Heiligen Schrift beten die Gläubigen nicht nur für sich selbst, sondern
bitten auch um konkrete Dinge. Sie bitten Gott, die Situation zu ver-
ändern, ihnen Dinge zu schenken und sogar darum, seine Absichten
zu  ändern.  Wie  wir  sehen  werden,  erfahren  wir  an  zahlreichen
Stellen in der Bibel, dass es Gott auf solche Gebete hin „reute“ – was
nicht sehr viel anders klingt, als dass er „seine Absicht geändert hat.“
Doch wenn Gott seine Absicht ändert, wie können ihn dann andere
Bibelstellen als treu, verlässlich und unveränderlich darstellen?
Es ist eine traurige Wahrheit, dass wir verdorben genug sind, um
Gründe zu finden, nicht zu beten – egal welcher Sichtweise wir an –
hängen. Denken wir nur an die Mission. Wenn Sie glauben, dass Gott
manche Menschen zu ewigem Leben „erwählt“ und andere nicht,
könnten Sie versucht sein zu denken, dass es sowieso keinen Sinn
hat, für die Verlorenen zu beten. Die Erwählten werden ja sowie-
so errettet: Wieso soll man sich dann die Mühe machen, für sie zu
beten? Damit haben Sie also einen guten Grund, um nicht zu beten.
Und wenn Sie andererseits denken, dass Gott schon alles getan hat,
um die Verlorenen zu retten, und dass jetzt alles von deren freiem
Willen abhängt: warum sollten Sie dann Gott bitten, sie zu retten? Er
hat seinen Teil ja schon getan und weiter bleibt für ihn nicht viel zu
tun. Gehen Sie also einfach los und predigen Sie das Evangelium. So
oder so haben Sie einen weiteren Grund, um nicht zu beten.
Dieses Thema hat schon vielen Leuten Kopfzerbrechen bereitet.
Die  Bibel  sagt  nachdrücklich,  dass  wir  beten  sollen,  sie  fordert
uns dazu auf, und sie liefert auch Beispiele für das Gebet. In un-
serem Denken läuft etwas falsch, wenn es uns vom Beten abbringt;
unsere Theologie hat eine Schwachstelle, wenn sie uns sagt, dass man nicht beten müsse.

Doch Manchmal geschieht genau das. Es kann  sein,  dass  ein  naiver,  aber  begeisterter  Christ  im  Gebet  viel größere  Erfahrungen  macht  als  der  Theologe,  der  viel  über  das Gebet nachdenkt. Oder, wie schon gesagt, manchmal geschieht es,
dass ein Christ so sehr die „Lehren der Gnade“ – diese Wahrheiten,
welche Gottes Souveränität, Freiheit und Gnade betonen – begrei-
fen und schätzen lernt, dass als eine der ersten Folgen davon das
Gebetsleben  mächtig  leidet.  Das  war  an  einem  Punkt  in  meinem
Leben mein Problem. Der Fehler lag nicht in der Lehre an sich, son-
dern bei mir selbst und meiner Unfähigkeit, sie in rechter Weise mit
anderen biblischen Lehren zu verknüpfen.

(D.A. Carson, Lernen, zu beten: Geistliche Erneuerung durch Gebet (3L Verlag, 2012)  205-7.)

Es zeigt einmal mehr für Leben und Gebet: nicht die Isolierung einzelner Wahrheiten aus ihrem biblischen Kontext darf zun Zentrum unseres Denkens und Lebens werden, sondern wir stehen unter dem Wort der Bibel (in Wortlaut und Zusammenhang) und schauen auf zu einem lebendigen Gott, um Ihm persönlich zu begegnen!

Schreibe einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: